Weiterbildungsangebote

Kindliche Entwicklungsverzögerungen bzw. -störungen wie ADHS, Hyperaktivität oder Wahrnehmungsprobleme können häufig auf Probleme zurückgeführt werden, die bereits in der Schwangerschaft, bei der Geburt oder innerhalb des ersten Lebensjahres entstanden sind.

Bereits im Mutterleib steuern Reflexe erste automatische Bewegungen, die das Wachstum und auch die Hirnreifung fördern. Jedes Kind wird mit frühkindlichen Reflexen geboren. Mit dem Fortschreiten der Gehirnreifung und der damit verbundenen Entwicklung der Willkürmotorik müssen die frühkindlichen Reflexe gehemmt und in Halte- und Stellreaktionen umgewandelt werden.

Störende Einflüsse können diesen Entwicklungsprozess beeinträchtigen und bewirken, dass Reste dieser Reflexe in einem nicht klinischen aber dennoch irritierenden Umfang „aktiv“ bleiben können. Die Folgen derartiger neurophysiologischer Entwicklungsverzögerungen bzw. -störungen sind dann beispielsweise ausgelassene oder nicht vollständig durchlaufene Bewegungsphasen im ersten Lebensjahr, die als Meilensteine der sensomotorischen Integration gelten.

So kommt es zu Einschränkungen in Bewegung, Wahrnehmung, Lernen und Verhalten. Auch Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung können in diesem Zusammenhang stehen. Häufig zeigen diese Kinder Symptome von Hyperaktivität, Ängsten oder anderen Verhaltensauffälligkeiten z.B. scheinbar dissozialem Verhalten. Misserfolge in der Schule komplettieren den „Teufelskreis“.

Diagnosen wie ADHS oder ADS werden dann häufig gestellt.

Wer ist betroffen?

Es sind nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene mit AD(H)S, Hyperaktivität oder Wahrnehmungsproblemen.

Kinder mit neurophysiologischen Entwicklungsverzögerungen bzw. -störungen zeigen oft einzelne oder mehrere der folgenden Symptome:

Auffälligkeiten bei kleineren Kindern

– Verzögerungen oder Auffälligkeiten in der Bewegungs- und Sprachentwicklung
– Ungeschicklichkeit, häufiges Hinfallen
– erhöhte Ängstlichkeit und Trennungsprobleme
– nicht altersgemäße Trotz- und Wutanfälle, schnelle Stimmungsumschwünge, gesteigerte Bewegungsunruhe
– Ein- und Durchschlafstörungen
– Einnässen

Auffälligkeiten bei Schulkindern

– Das Kind ist leicht ablenkbar und wirkt unkonzentriert.

– Es vergisst schnell wieder bereits Geübtes und Gelerntes.

– Es zappelt auf seinem Stuhl herum und kann nur mit Mühe still und aufrecht sitzen.

– Es bewältigt Aufgaben nur sehr langsam.

– Es hat Schwierigkeiten, Fakten und Ereignisse in eine logische Abfolge zu bringen.

– Es verdreht Buchstaben beim Lesen und Schreiben und macht Fehler beim Abschreiben von der Tafel oder aus dem Buch.

– Es hat eine verkrampfte Stifthaltung.

– Es hat Schwierigkeiten beim Rechnen.

– Es hat eine undeutliche Aussprache und das Vorlesen ist meist mühevoll, ausdruckslos und monoton.

– Es hat Haltungsfehler, z.B. Rundrücken, Skoliose.

Viele dieser Symptome findet man bei Kindern mit ADS/ADHS.

Diese Auffälligkeiten können typische Auswirkungen von Restreaktionen frühkindlicher tonischer Bewegungsmuster sein, die dann zu Bewegungs-und Koordinationsstörungen und mangelnder neuromotorischer Aufrichtung führen. In der Folge stellen sich tonische Dysbalancen und sensorische Integrationsstörungen mit der damit verbundenen sozial-emotionalen Unreife ein.

Auffälligkeiten bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen können sich im Grunde ähnliche Symptome zeigen wie bei älteren Kindern. Teilweise haben sie aber gelernt, bestimmte Impulse zu kompensieren und Verhaltensmuster zu vermeiden. Nicht selten finden sich aber überängstliche oder depressive Verhaltensweisen und wenig selbstbewusstes, dafür aber selbstkritisches Handeln.

Andererseits sind auch oft eine mangelnde Impulskontrolle, Kritikunfähigkeit, innere Unausgeglichenheit oder Gleichgewichtsprobleme zu beobachten. Außerdem können auch Kopfschmerzen, Schulter-und Nackenverspannungen, Schwindel sowie depressive Verstimmungen in jahrelanger Kompensation mangender motorischer Reife oder tonischer Dysbalancen begründet sein.

Wie kann man helfen?

Anhand eines detaillierten Fragebogens wird zusammen mit den Eltern aus der Entwicklungsgeschichte des Kindes herausgefunden, ob die bestehenden Auffälligkeiten in einer neurophysiologischen Reifungsstörung begründet sind.

Dabei werden unter anderem Fragen erörtert über die Schwangerschaft und die Geburt, soweit dies bekannt ist. Bei Erwachsenen oder nicht leiblichen Kindern ist dies nur eingeschränkt möglich.

In dem Gespräch geht es nicht um Diagnosen, sondern um Symptome und Probleme, die sich im Alltag zeigen.

Gibt die Anamnese Aufschluss darüber, ob die Probleme des Kindes einen neurophysiologischen Hintergrund haben, erfolgt eine umfangreiche Befunderhebung, die folgende Bereiche umfasst:

Grobmotorik und Gleichgewicht

– Feinmotorik
– Vorhandensein frühkindlicher tonischer Bewegungsmuster
– Fehlen von Halte- und Stellreaktionen
– Entwicklung der Seitigkeit/Lateralität
– Augen-Hand-Koordination
– Augenmuskelmotorik
– Visuelle und auditive Wahrnehmung

In einem ausführlichen Gespräch mit dem Klienten oder den Eltern des Kindes werden die Ergebnisse der Befunderhebung mit den Problemen in Bezug gesetzt und die Zusammenhänge zwischen neuromotorischen Unreifen und tonischen Dysbalancen erklärt.

Auf Grund der Ergebnisse wird ein individuelles Übungsprogramm zusammengestellt.

Der Förderansatz umfasst spezifische Bewegungsübungen, die aus den Ergebnissen der Befunderhebung für das Kind abgeleitet werden. Das Übungsprogramm setzt an den neuromotorischen Unreifen, die in frühkindlichen tonischen Bewegungsmustern zu erkennen sind, an.

Gezielte Bewegungsübungen, die täglich zu Hause durchgeführt werden müssen, helfen, die tonischen Bewegungsmuster, basierend auf Restreaktionen frühkindlicher Reflexe, erfolgreich zu integrieren. So können die übergeordneten Halte-, Stell- und Gleichgewichtsreaktionen ihre Aufgaben sicher übernehmen.

Mit Hilfe der verbesserten Motorik und der dadurch ebenfalls besseren Wahrnehmung verschwinden in der Folge viele der Erziehungs-, Lern- und Bewegungsprobleme. Unter Anleitung wird das Übungsprogramm eingeübt und muss dann täglich zu Hause – ca. 5 – 10 Minuten – durchgeführt werden.

Alle 6 - 8 Wochen erfolgt eine Überprüfung der Behandlungsergebnisse und -erfolge. Entsprechend den Ergebnissen wird das Programm angepasst und erweitert. Die motorische Förderung umfasst einen Zeitraum von 1 - 2 Jahren.

(s. www.dgne.de/infos/neurophysiologische-entwicklungsstoerungen)